Formelinterpreter

Die Funktion Formelinterpreter ermöglicht die Implementation von benutzerdefinierten Parametern, Menüs und Regelfunktionen. Ohne Programmierkenntnisse können beispielsweise Sollwerte berechnet oder Logikverknüpfungen implementiert werden. So lassen sich beispielsweise mit kurzen und übersichtlichen Operatoren aufwendige Verdrahtungen von vielen Relais in Schaltschränken reduzieren und einsparen oder Thermostatfunktionen umsetzen.

Formeln / Gleichungen

Zur Formulierung der gewünschten Regelfunktionen stehen neben den arithmetischen Grundoperatoren auch Vergleichsoperatoren und logische Operatoren (boolsche Algebra) zur Verfügung. Spezielle Zuweisungsoperatoren ermöglichen ausserdem die separate Definition von Einschalt- und Ausschaltbedingungen.

In mehreren Eingabefeldern können Formeln in Textform eingegeben, angepasst und gespeichert werden. Die Konfiguration erfolgt ausschliesslich über die Web-Oberfläche des WPC3-U und erfordert daher das Hardware-Optionsmodul WPC3-ETH (Ethernet-Schnittstelle zur Nutzung des integrierten Webservers).

In den Formeln können einerseits Konstanten in Form von Zahlen (Gleitkommazahlen für Vergleiche und {0,1} für Logikoperationen) oder benutzerdefinierten Parametern und andererseits Variablen verwendet werden.
Die benutzerdefinierten Parameter können nach Bedarf als Benutzer-Einstellung, als Betriebs-Einstellung für den Fachmann oder als Anlagen-Konfiguration deklariert und mit einer freien Bezeichnung versehen werden. Jeder Parameter kann in seinem Wertebereich passend eingeschränkt werden (Fliesskommazahl mit beliebiger Einheit oder logischer Zustand Ein/Aus), sodass der Benutzer nur sinnvolle Eingaben vornehmen kann.
Als Variablen können alle Temperatur-, 230VAC-, analoge Strom- und Spannungs-Eingänge sowie Spannungs-, Relais- und Schrittmotor-Ausgangszustände sowie die virtuellen Ausgänge und die benutzerdefinierten Variablen des Reglers verwendet werden. Zusätzlich stehen Formelinterpreter-interne Logikvariablen und die aktuellen Zeitfortschritte der Formelinterpreter-eigenen Timer-Funktionen zur Verfügung.

Timer

Jede Formelinterpreter-Erweiterungsfunktion beinhaltet mehrere Timer-Funktionen zur Ein- oder Ausschaltverzögerung von Logiksignalen oder als Flankengetriggerter Zeitgeber.

Als Ein- und Ausgänge werden die Formelinterpreter-internen Logikvariablen verwendet. Der aktuelle Zeitfortschritt kann in den Formeln in Verbindung mit Vergleichsoperatoren eingesetzt werden. Die Zeit wird in Sekundenschritten gemessen.

Beispiele

Temperaturdifferenz-Steuerung

Eine Pumpe wird in Betrieb gesetzt, um Wärme von einem Speicher zu einem anderen zu übertragen. Der Relais-Ausgang schaltet ein, wenn die Quellen-Temperatur grösser ist als die Senken-Temperatur.

Positive Flanke von b0 setzen:

Funktion 1: b0 p= T1 > (T2 + C1);

Negative Flanke von b0 setzen bzw. positive Flanke von b0 löschen:

Funktion 2: b0 n= T1 < (T3 + C1 - 4.0);

Relais-Ausgang entsprechend dem Zustand von b0 schalten:

Funktion 3: K1 = b0;

K1: Relais-Ausgang am WPC3-U
T1: Temperaturfühler Quelle
T2: Temperaturfühler Senke
C1: Benutzerdefinierter Parameter in den Betriebs-Einstellungen, Temperaturdifferenz  zwischen Quelle und Senke, bei der geschaltet werden soll
4.0: Fest vorgegebene Hysterese, diese könnte als weiterer Parameter (C2) konfiguriert werden.

Logische Verknüpfung mit Zeitverzögerung

Der Ausgang K2 wird um 2 Sekunden verzögert eingeschaltet, wenn an den 230VAC-Eingängen I1 und I2 230VAC anliegen.

Logikverknüpfung:

Funktion 1: b0 = I1 & I2;

Ausgang entsprechend dem Zustand von b1 schalten (b1 ist das verzögerte b0):

Funktion 2: K2 = b1;

Definieren der Einschaltverzögerung über eine Timer-Funktion:

Timer 1
Option: Einschaltverzögerung
Eingang (b0-b15): 0
Zeit: 2"
Ausgang (b0-b15): 1

K2: Relais-Ausgang
I1: 230VAC-Eingang 1
I2: 230VAC-Eingang 2

Dateien zum Herunterladen

  • Formelinterpreter.pdfAnleitung zur Funktion Formelinterpreter mit Erläuterung der Funktionsweise und Beispielen.